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Kurts Büchertagebuch

Donnerstag, der 21.Oktober 2004
 

Merkwürdig. Gerade habe ich nach dem Lesen von weiteren Briefen Edmund Wilsons - etwa die an Dos Passos, der offensichtlich einiges an Kritik vertragen konnte - beschlossen ihn nicht zu mögen. Er geht geradezu gnadenlos offen mit seinen  schriftstellernden Freunden um.
Jetzt finde ich, im ausgezeichneten - heute noch lesbaren - Buch "Auf dem Weg zum Finnischen Bahnhof",  den schönen, bedenkenswerten und bitteren Satz über den Niedergang der Kinder Marxens und Engels:
"So viel Schmerz und so viele Mühe kostete es, unabhängig von den Wechselfällen der menschlichen Gesellschaft eine Festung des Geistes und des Willens zu bauen."

Was mich an eine Szene in einer Buchhandlung erinnert ( ca 1990 ). Ein Paar, dessen weiblicher Part neugierdehalber eine Biographie von Karl Marx in die Hand nimmt. Das Männchen meint, "aber der hat doch verloren."  Und nimmt ihr doch tatsächlich das Buch aus der Hand.
Gleiche Szene bei KARSTADT circa 2002.
Das Männchen abwertend "Das sieht hier so ärmlich aus."
Sie: "Man kann hier wunderbar Bockwurscht essen und sich wunderbar schlecht die Haare schneiden lassen und niemand drängelt."


Mittwoch, der 27.Oktober 2004

Weiter mit Neal Stephensons "Quicksilver".
Mit G.W. Leibniz, Eliza und Jack Shaftoe im Harz.


Geschichtlicher Hintergrund:
Der damalige Hofrat Leibniz bot ca. 1680 an eine sog. "Windkunst" auf der Grube St. Catarina im Harz zu erstellen. 3 Windmühlen sollten die Grubenwässer abpumpen. Später entwickelte Leibniz die Idee Wind und Wasser als Energiequellen zu kombinieren. Er war nicht der Erste.
Heute verfeinert als Windmühlen-Wasserstoffzellen-Kombination.

Silbergewinnung durch Amalgamation ( S.580-582 )
( noch kein Eintrag im Metaweb Stephensons )

Das Ende der zweiten grossen Edelmetallknappheit (1440-60) wurde durch die Anwendung einer technischen Neuerung herbeigeführt. Der Seigerprozess, der die Gewinnung von Silber aus bislang wertlosen Kupfererzen durch die Verhüttung mit Blei ermöglichte, war zwar an der Wende zum 15. Jh. entwickelt worden, rentierte sich jedoch nur bei den hohen Silber- und niedrigen Bleipreisen der Jahrhundertmitte. Die Verbreitung der Seigerhütten in Mitteleuropa (Nürnberg, Erzgebirge, Thüringen, Slovakei, Tirol, Venedig) schuf eine ungeheuere Nachfrage nach Blei, das zunächst in Goslar, England und Kleinpolen und später in Schlesien, Kärnten und Böhmen gewonnen wurde. Um 1560 fiel die Bleinachfrage schlagartig ab, weil der Seigerprozess von der Amalgamation, also der Gewinnung von Silber aus nichtbleihaltigen Erzen mit Hilfe von Quecksilber, abgelöst wurde. Kurz nach der Mitte des 16. Jahrhunderts fürte Bartholomäus de Medina in Mexiko die Amalgamation der Silbererze ein.


Genauer beschriebenes Verfahren aus: Meyers Konversationslexikon 1888

... Für die ärmeren Erze dient dort die Amalgamation, das Verfahren, bei welchem das Quecksilber das Beförderungsmittel ist. Es geschieht diese Arbeit meist noch in der Weise wie sie vor 300 Jahren eingeführt wurde, in freien Haufen; nur in wenigen grösseren Werken treibt man die neuere Amalgamation in Fässern. Man pocht die Erze und mahlt sie mit etwas Wasser zwischen Steinen auf Maultiermühlen fein. Der Schlamm wird auf gepflasterten Plätzen in Haufen gesetzt und unter Umschaufeln und Eintreiben von Maultieren mit einer Partie Seesalz gemengt. Nach einigen Tagen werden ebenso gründlich Gemenge von Kupfervitriol oder geröstetem Kupferkies und geröstetem Schwefeleisen eingearbeitet und wird immer für Feuchthaltung der Haufen gesorgt. Sonnenhitze, Luft und Feuchtigkeit bewirken nun in der Masse chemische Umsetzungen, welche zur Folge haben, dass alles Silber der Erze, welches nicht von Natur schon Chlorsilber ist, also Schwefelverbindungen und gediegene Partikelchen des Silbers, ebenfalls in Chlorsilber verwandelt werden. Man beginnt dann mit dem Einarbeiten von Quecksilber in die Haufen, was periodisch bis zur Reife der Dinge fortgesetzt wird. Das Quecksilber bringt eine neue Reaktion hervor: ein Teil desselben zerlegt das Chlorsilber und bildet mit dem Chlor desselben Chlorquecksilber; ein andrer Teil nimmt das hierdurch metallisch gewordene Silber auf und bildet mit ihm das gesuchte Amalgam, das nach dem Ausschlämmen der ganzen Masse mit vielem Wasser in Kufen als breiiger Bodensatz zurückbleibt. Dieser wird in Destillierkolben oder Retorten gebracht, das Quecksilber durch Hitze abgetrieben und in kaltem Wasser wieder aufgefangen; der Rückstand ist ein sehr poröser Silberkuchen, sog. Tellersilber. Der Amalgamationsprozess dauert je nach der Witterung 14 Tage bis 4 Wochen. Man verwendet viermal soviel Quecksilber als man Silber vermutet.

Sophie - eine der klügsten Fürstinnen ihrer Zeit.
Kurfürstin von Hannover ( 1630 - 1714 ), Tochter des Kurfürsten von der Pfalz, dem Winterkönig. Enkelin von Maria Stuart, daher mögliche Thronprätententin Englands.

Ihr Sohn Georg Ludwig (1660 - 1727 ) wird später König Georg I. von England. Seither stellt das Haus Hannover alle Königinnen und Könige von England.
Sophie protegierte Leibniz.

Quecksilber wird als "quechsilper" schon im Althochdeutschen nachgewiesen. Und bereits Paracelsius weiss um das Quecksilbersichtum ( ... Krankheiten so ausz dem Quacksilber entspringen ). Tatsächlich kommt Mercurium nicht nur als Zinnober, sondern auch elementar vor. Vor allem in der Nähe von Vulkanen. Daher das frühe Wissen um seine metallischen Eigenschaften.
 
Syphilis: verursacht durch das Bakterium Treponema Pallidum.
Der Herzog von York lässt Daniel Waterhouse in Epsom diskret wissen ( S.182ff ) , dass er über eine neue Kur der Syphilis informiert werden will. Wird heute erfolgreich mit Penicillin ( vorher auch Kaliumjodid ) behandelt, verehrter Duke of York.
Im 17. Jahrhundert wurde diese Epidemie durch die Quecksilbertherapie gemildert.

Ein Rezept aus dem Jahre 1676:
"Man nehme 2 Unzen weissen oder Narbonne-Honig. 2 Unzen rote getrocknete und zerstossene Rosen. Eine halbe Unze rotes Präzipitat ( veraltete Bezeichnung für schwer lösliche Quecksilber-Ammoniak-Verbindungen, eigentlich "Niederschlag" )."
Interessanterweise ähneln bestimmte Symptome der fortgeschrittenen S. der Lepra. Deshalb ist es wahrscheinlich, dass man früher oft die S. mit der Lepra verwechselte.

Notat am Rande.
Leibniz war selbst ziemlich quecksilbrig.
Wegen des "Goldmachers" - dem Berliner Apothekergehilfen Böttger - reist er 1701 ohne herzogliche Order nach Berlin um dem Fall selbst nachzugehen. Leibniz ist zwar skeptisch, aber der uralte alchemistische Traum treibt in dennoch um.
Was ihm eine milde Rüge Sophies einträgt. Ihr Sohn nämlich, der Kurfürst Georg Ludwig, beklage sich, dass er niemals wisse wo er zu finden sei.
Böttgers Goldmacherei war natürlich ein Fake.
Der Name Johann Friedrich Böttgers ist heute übrigens mit der Nach-Erfindung des deutschen Hartporzellans verbunden.
Auch hier ist nicht ganz sicher ob Böttger seine Meriten nicht eher den Entdeckungen des Barons Ehrenfried Walter von Tschirnhaus verdankt.

Donnerstag, der 28.Oktober 2004

Weiter mit Neal Stephensons "Quicksilver".


Über Türk das türkische Schlachtross, welches Jack Shaftoe ( alias L'Emmerdeur ) doch nicht an Louis XIV. verkaufte.


Die mittelalterliche karolingische ( um der Genauigkeit willen merowingische ...) Kavallerie wurde u.A. wegen der Einfälle der Araber im Süden von Frankreich der arabischen Kavallerie nachgebildet. Schlacht bei Poitiers 733. Wichtig hierbei der Sattel und der Steigbügel, der sowohl den Bogenschützen, vor allem den Lanzenreitern einen festen Sitz gewährte. Der Unterhalt gepanzerter Schlachtrösser, auch "Zelter" genannt, war eine erhebliche mittelalterliche Rüstungsanstrengung.

Das 16.-17 Jahrhundert war zwar das Zeitalter der Infanterie, jedoch hatte die türkische Kavallerie der Spahis immer noch eine grosse Bedeutung in der Schlacht.
Während das osmanische Reich ( 1585 ) über ca. 40 000 Pferde in Asien und 100 000 in Europa verfügte, herrschte in Europa des 16.-17. Jahrhunderts eher Pferdemangel.
Zum Vergleich:
Noch Louis XIV. hatte während seiner ganzen Regierungszeit nur 20- bis 30 000 Pferde zur Verfügung, die er dazu noch im Ausland kaufen musste. Es gab zwar in Frankreich Anstrengungen Gestüte aufzubauen, jedoch ohne grösseren Erfolg.
Kaltblutpferde und spanische Araber aus Neapel oder Andalusien waren halt unverschämt teuer.

Jack sieht auf dem Pariser Pferdemarkt des "Place Royale" ... kein einziges Pferd, dass er gegen Türk eingetauscht hätte, wenn er in eine Schlacht hätte reiten müssen.

Eintrag im Metaweb zu
"L'Emmerdeur" - einer von Jack Shaftoes Beinamen.
Das französische Wort "L'Emmerdeur," ist schwierig zu übersetzen. Es bedeutet ungefähr "Jemand der Etwas in Scheisse versteckt".
Eine Art bewunderndes Fluchwort. Ein vulgärer Ausdruck der in den sechziger Jahren ungefähr noch dem englischen "Shit" entsprach, heute jedoch eher als "fuck" wiedergegeben wird. Entsprechend ( auf deutsch ) unbestimmbar ist der Ausruf "emmerdeur!" (engl. "fucker").
Jemand der cool, aber nicht so ganz "hasenrein" ist.

Und "hasenrein" adjektivisch gebraucht heiszt nach dem Deutschen Wörterbuch:
"... ein Hund, der vollkommen für die Hasenjagd abgerichtet ist."
Vulgo: "Einer der spurt. Bzw.nicht."

Montag, der 01.November 2004

Weiter mit Neal Stephensons "Quicksilver".

Eliza 1685 in der Oper von Amsterdam ( S. 674 ff ), die nach Stephenson eher eine Art Börse für den neuesten  wirtschaflichen und militärischen Klatsch war ( für die Amsterdamer war Beides wohl praktisch gleich bedeutend.)
Keine Ahnung ob das tatsächlich so war !
Das theaterverwöhnte ( und antipapistische ) englische Publikum bot der Mode der französischen Oper jedoch einigen Widerstand entgegen. Besonders deshalb, da der katholische Herzog von York ( der spätere James II.) der Schirmherrn einer der beiden erlaubten Theaterkompanien war. In Konsequenz entwickelte sich das englische Musiktheater - mit Henry Purcell als einer seiner grossen Komponisten.
Purcell trug dem berechtigten Verlangen seines Publikums den neuesten Klatsch auszutauschen und die Logen zu taxieren Rechnung, indem vorher erstmal ziemlich viel Musik gespielt wurde.

In der "Fairy Queen" etwa gibt es die:

First Musick.
Bestehend aus dem Präludium ( Vorspiel ) und einer Hornpipe.

Und der Second Musick.
Bestehend aus einer Air, gefolgt von einem Rondeau.

Schliesslich die Overtüre mit ziemlich viel Blech ( sehr laut  ), wohl das barocke Äquivalent der Mahnung im Kino jetzt endlich die Handys auszuschalten.
( An dieser Stelle später Applaus für Rainer Wiessner, der mich - widerstrebenden Esel - in die Feinheiten der musikalischen Vielfalt des Barock einführte.)

Dienstag, der 02.November 2004



Bildnis von James II., dem katholischen ungeliebten König , welchen Daniel Waterhouse besucht, während James Bruder, der englische König der Restauration, Charles II. an zu vielen Ärzten stirbt.
Neal Stephenson ist in Quicksilver zwar kein sehr guter Historiker , aber ein sehr guter Erzähler. Und er hat seine Hausaufgaben gemacht.
Die Handlung ist imaginär - historical fiction - in dem vertrackten Sinn, dass auch mittels gut recherchierter "Quellen" die historische Wirklichkeit durchaus immer noch imaginäre Eigenschaften hat.
Wir befinden uns im Zeitalter des höfischen Protokolls. In dem das Gesagte etwas Anderes ist als das Gemeinte. Das Signifikat entspricht nicht dem Signifikanten - oder irgendwie so.
Am Ende befinden sich sich jedoch Roger Comstock , Samuel Pepys und Daniel Waterhouse in einem Vorzimmer von Whitehall.
S.784
Er hat gesagt: "Ich brauche Eure Hilfe, und ich weiss es."
"Das alles hat er gesagt ?", entfuhr es Roger.
"Natürlich nicht", sagte Pepys verächtlich, "aber gemeint hat er es."

Mittwoch, der 03 November 2004


Wenn James II. die Zeichen seiner Zeit besser gedeutet hätte. Sprich mit seiner Zeit "befreundet" gewesen wäre - d.h. ihre "Wirklichkeit" akzeptiert hätte - wie es übrigens sein Bruder Charles II. auf hervorragende Weise tat - wäre aus ihm vielleicht sogar ein guter König geworden. Und die Stuarts wären nach wie vor auf dem englischen Thron.

Aber James hatte es zu eilig mit Allem. Seine Indulgenzerklärung gab den Engländern ( besonders den Katholiken und Dissentern ) zwar Religionsfreiheit ( Hier kommt Daniel Waterhouse ins Spiel, als von Roger Comstock aufgebauschter puritanischer Einflussfaktor ) aber es ist gleichzeitig eine Kriegserklärung an das englische "anglikanische" Parlament das diese einschränkenden ( die Religionsfreiheit betreffenden ) Gesetze erlassen hatte. Das Ergebniss war schliesslich die "Glorious Revolution". Ein Holländer ( Willhelm von Oranien ) wird König von England.


Zu Robert Hookes Selbstexperimenten - er litt an Schlaflosigkeit.
Auszüge seines Tagebuchs:

1672 October 1
I took spirit of urine and laudanum with milk for three preceding night. Slept pretty well.

( Kein Wunder ! )

1672 November 4
At John Baptists I blew blood out of my right nostril with some pain which I had not two months before. Smelling quite lost, noyse in my head. ( Ohrenklingeln - Vorboten eines Gehörsturzes )

1673 Friday, July 25th
Mr. Chamberlain told of Lady Viners death Kild by opium.

1674 Wednesday, April 22nd
Drank a gallon of plain posset and vomited with a feather much slime. Slept well after it.

1674 Saturday, May 16th
Drank noe coffee. Slept pretty well. ( Gut erkannt, dass nach Kaffee schlecht zu schlafen ist )

1674 Sunday, May 24th
Took vomit. It wrought little but I fetched up tough fermenting flegme by feather. Dind on pudding. Sick p.p. Eat supper well. Slept very well. and was much Refreshd next morn...Nell brought me an abortive child from Blackfryers - which I put in Spirit of Wine in two shade glasses.


Sehr beliebt Erbrechen mittels einer Feder um das Phlegma auszutreiben. "Dind" gleich "dined".

1674 Saturday, May 30th
I had drank senna. Wrought well. Bought two vomits, one of Whitchcot, one of Child 7d.

"Cassia senna", ein Staudengewächs, das die abführenden Senesblätter liefert.

Aus dem deutschen Wörterbuch:

"senet: disz kraut sampt seinen schöttlin, darinn der samen ligt, ist ein fast gemein purgatz desz gemeinen manns .. von Florentz bringt man viel, wird auch bey uns in den gärten erziehlet, die beste aber ist die, so von Alexandria hauffend gen Venedig gebracht wird."

1675/76 Tuesday, January 11th
Drank chocolat. Smokd pipe.

1675/76 Tuesday, March 14th
Ended Tobacco.


1675 (?)  Sunday, April 2nd

Tobacco 4d.

1677/8 Sunday, March 3rd
ill all day...miserere mei deus ( Gott erbarme mich Meiner ).


Donnerstag, der 04 November 2004


Das Problem der sog. "Rückläufigkeit" der Planeten, auch der Kometen.
Quicksilver S.821ff
Hier fällt Daniel Waterhouse ein wenig aus seiner barocken Sprachrolle. Indem er nämlich Roger Comstock - auf eine relativ moderne Art und Weise - die "Rückläufigkeit" erklärt.
"Früher pflegten die Astronomen die vermeintliche Rückläufigkeit von Planeten so zu erklären, dass sie sich einen gewaltige,mit Kristallkugeln ausgestattete himmlische Achse vorstellten. Mittlerweile wissen wir, dass sich die Planeten in Wirklichkeit in gleichmässigen Ellipsen bewegen und dass die Rückläufigkeit eine Illusion ist, die dadurch entsteht, dass wir unsere Beobachtungen von einer sich bewegenden Plattform anstellen."

In der Regel bewegen sich die Planeten von West nach Ost durch den Tierkreis. Die Rückläufigkeit entsteht dann, wenn die Erde einen langsamer laufenden ( entfernteren Planeten ) überholt, oder von einem der Sonne näher stehenden schneller laufenden Planeten oder Kometen überholt wird.
Dann scheint es eine Bewegung von Ost nach West zu sein.

Die altertümliche Erklärung mit der himmlischen Achse ist mir noch nicht ganz klar. Bewegten sich diese Kristallkugeln etwa gegeneinander ?

S.828 ff.
Daniel unterhält sich mit dem Puritaner Edmund Palling über die Vernunft. Dass sie nämlich manchmal an die Dämlichkeit grenzt, nämlich in einer unvernünftigen Welt.
Siehe auch das heutige amerikanische Wahlergebniss.
Die TAZ titelte: "Oops, they did it again".

Freitag, der 05 November 2004

Quicksilver Seite 844-845.
Warum haben Planetenbahnen die Form von Ellipsen ?  Das hatte schon Johannes Kepler vermutet, beobachtet. Der Beweis stand jedoch lange aus.
Indem Newton die Schwerkraft konsequent auf die Himmelsmechanik anwendete, das heisst eine Kraft einführte die auf wirkliche Körper ( nicht nur theoretische Punkte ) einwirkt, war er in der Lage alle Bewegungen der Planeten auf eine mathematische Grundlage zu stellen.

Daniel Waterhouse ist deshalb so von den Socken, weil er die Genialität dieser Entdeckung, gewissermassen stellvertretend für uns, noch nachvollziehen kann.
Newtons Geistesblitz hatte vermutlich auch mit der Beobachtung des Halleyschen Kometen zu tun, dessen Bewegung damals als vollkommene Gerade wahrgenommen wurde.
Tatsächlich sind Kometenbahnen eine Extremform des Kegelschnitts.
Gegeben sei ein Kegel. Man schneidet ihn knapp unter der Spitze an ( die Bewegung um die Sonne ). Der lineare Schnitt endet schliesslich knapp vor der Basis des Kegels ( das andere "breite" Ende der Ellipse befindet sich weit jenseits des damals beobachtbaren Sonnensystems ).

Der geometrische Beweis Newtons ist mir ehrlich gesagt zu anspruchsvoll. Wers genau wissen will googelt halt mal. Mathe ist nicht so mein Ding.
Anzumerken ist noch Daniels Einwand, warum Newton nicht das "Kalkül", d.h. die Infinitesimalrechnung für seinen Beweis anwendet ( die Newton gleichzeitig mit Leibniz erfand ).
Stephenson legt uns nahe, dass dies religöse Gründe hatte.

Nach dem Newton in "Quicksilver" hat Gott nicht die Welt erschaffen, um sie sich schliesslich selbst zu überlassen ( a la Spinoza ), sondern greift nach wie vor in ihre Geschicke ein. Es gibt noch andere Dinge zwischen Himmel und Erde.
Stephenson spielt hier auch auf die Chaostheorie an, deren Theoretiker heute ebenfalls Newton in Anspruch nehmen. Es gibt hier bestimmte Schriften.

Auf die Chaostheorie spielt übrigens auch das nächste Kapitel "Strand nördlich von Scheveningen" an. Allerdings ein schon eingedämmtes niederländisches ökonomisches Chaos, das fast schon eine Ordnung besitzt.
Eliza ( die Doppelagentin ) bekommt eine Lektion in Sachen hochdiplomatischer Intrige ( der obere Kegelschnitt eines Kometen - in dem sich die Bahnbewegung sehr schnell ändert ) und lernt Bob Shaftoe kennen, den Bruder Jacks. Ein Soldat in den Diensten von John Churchill. Ein eher verlässlicher Mensch, tatkräftig, aber jemand dem man trauen kann.
Die andere Seite der Kometenlaufbahn, eher kreisabschnittig - bestimmbar. Nicht Quecksilbrig.
Bin mal gespannt wies weitergeht.

























 


 
 
 
   
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